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Was passiert, wenn wir die Natur einfach machen lassen?

Im ersten Teil unserer Reihe zur Wildnis ging es darum, warum wir mehr Raum für Wildnis brauchen. Doch was passiert eigentlich, wenn wir diesen Raum geben und die Natur sich selbst überlassen?

Die Antwort ist: Es passiert sehr viel. Nur folgt die Natur dabei keinem von Menschen geschriebenen Plan.

Natur kennt keinen festen Endzustand

Wenn wir eine Fläche sich selbst überlassen, beginnt keine Entwicklung hin zu einem bestimmten Idealbild. Pflanzen wachsen, blühen und sterben. Bäume werden alt und fallen um. Tiere kommen hinzu, verschwinden wieder oder verändern ihre Lebensweise. Wind, Regen und Trockenheit verändern die Landschaft.

Wildnis ist deshalb niemals 'fertig'. Er befindet sich immer in Bewegung

Wenn ein Baum fällt, beginnt etwas Neues

Ein umgestürzter Baum kann für uns wie ein Zeichen von Zerstörung aussehen. In einem wilden Wald ist er dagegen Teil des Lebenskreislaufs.

Pilze und Insekten besiedeln das Totholz, Vögel finden dort Nahrung und organisches Material kehrt in den Boden zurück. Gleichzeitig entsteht durch die Lücke im Kronendach mehr Licht und damit Raum für neue Pflanzen und junge Bäume.

Das Ende eines Baumes kann der Anfang für viele andere Lebewesen sein.

Was uns wie Chaos erscheint

Wildnis sieht oft anders aus als eine von Menschen gepflegte Landschaft. Äste liegen kreuz und quer, Pflanzen wachsen scheinbar ungeordnet und umgestürzte Bäume bleiben liegen.

Doch dieses vermeintliche Chaos ist kein Zeichen dafür, dass nichts funktioniert. Es ist Ausdruck einer lebendigen und sich ständig verändernden Natur. Gerade durch diese Dynamik entstehen unterschiedliche Lebensräume und damit neue Möglichkeiten für zahlreiche Arten.

Wildnis verlangt Vertrauen

Natürlich kann nicht jede Fläche sich selbst überlassen werden. Viele wertvolle Kulturlandschaften benötigen weiterhin Unterstützung. Aber wir brauchen auch mehr Orte, an denen wir nicht ständig eingreifen.

Orte, an denen wir akzeptieren, dass wir nicht wissen, wie die Landschaft in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen wird.

Genau darum geht es bei den Erdheilungsplätzen: Flächen dauerhaft aus der wirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und der natürlichen Entwicklung Raum zu geben.

Wir müssen nicht immer wissen, was kommt. Manchmal reicht es, der Natur zu vertrauen.