Stimme der Natur in Hamburg – Abschwung aus dem Stand
Nach Bremen führte Tilos Reise in die freie Hansestadt Hamburg. Hier, wo Politik, Wirtschaft und Kultur dicht aufeinandertreffen, traf auch die Trommel auf Widerstand.
Was in Bremen friedlich und harmonisch war, wurde in Hamburg zur Konfrontation zwischen persönlicher Freiheit, staatlicher Kontrolle und der Frage, wem der öffentliche Raum gehört.
Tilo trommelt vor deutschen Staatskanzleien. Im Auftaktartikel geht es darum, was ihn dabei antreibt: Trommeln für die Erde.
Abschwung aus dem Stand – von Tilo Hildebrandt
Die Freie und Hansestadt Hamburg gewährt mir keine Freiheit zu Trommeln. Später werde ich den Bürgermeister fragen: Das Volk bin ich. Warum haben Sie Angst vor mir?
Die Polizeiposten standen schon bei unserer Ankunft vor der Tür. Bald nachdem ich begonnen habe, kamen sie und drohten mir Bußgelder an. Sie wollten aber nicht sagen, wieviel das Trommeln kosten soll.
Ich hätte antworten können: „Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit nach Artikel 2 des Grundgesetzes“. Habe ich aber nicht, denn ich gehe nicht auf ihr Spielfeld. Meine Spielregel kommt von der Mutter Erde und eine wichtige ist: Jeder soll glücklich sein.
Die Polizisten waren nicht glücklich, sondern ziemlich unsicher. Der Bürgermeister Tschentscher ist nicht glücklich, weil er die Polizei einsetzt, die Bürger zu verjagen.
Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich vor seiner Tür getrommelt habe und ich werde Euch berichten, was er antwortet. Ob er schreibt, dass ich ihm Angst mache?
Wenn Du kein Problem findest, gibt es vermutlich keins.
Reflexion
Hamburg war die lauteste und zugleich die stillste Begegnung dieser Reise. Laut – weil die Polizei sofort präsent war und Ordnung verlangte. Still – weil Tilo sich weigerte, auf dieses „Spielfeld“ einzusteigen.
Hier wird spürbar, wie eng der Raum geworden ist, in dem einfache, friedliche Gesten ihren Platz finden dürfen. Ein Mensch mit einer Trommel wird zum Störfaktor, während die Stadt in ihrem eigenen Lärmrausch weiterläuft.
Doch die Trommel schlägt unbeirrt. Ihr Rhythmus ist frei von Anklage – er bleibt einfach da, erinnert, pulsiert.
In Hamburg zeigt sich: Freiheit beginnt nicht dort, wo niemand stört, sondern dort, wo man still und aufrecht bleibt – auch wenn man allein trommelt.
